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Montag,
25. Mai 2020

Fiebermessen zum Dienstantritt

Montag, 25. Mai 2020
Nachfolgend ein Zeitungsartikel aus der "OAZ" vom 22.05.2020 für Sie zum Nachlesen:

Fiebermessen zum Dienstantritt


Wermsdorf 01
Tägliches Ritual zum Dienstantritt: Heimleiterin Jana Berentzik (l.) misst bei Ina Schroth, die im Haus als Betreuungsassistentin arbeitet, Fieber. FOTO: J. BRECHLIN

Wermsdorfer Seniorenheim setzt nach Coronafall auf penible Einhaltung der
Hygienemaßnahmen / 90-jährige Bewohnerin wieder genesen

Von Jana Brechlin

Wermsdorf. Statistiken können Jana Berentzik nur bedingt beruhigen. Die Leiterin des Seniorenwohn- und Pflegezentrums Hubertushof in Wermsdorf verfolgt täglich die aktuellen Zahlen zu Corona-Infizierten. Doch selbst als die gemeldeten Fälle stetig nach unten gingen, stellte sich bei ihr keine große Erleichterung ein. „Was nützt es mir, wenn es im ganzen Landkreis Nordsachsen nur 24 Corona-Fälle gibt und einer ist davon bei uns im Heim“, bringt sie es auf den Punkt.
Jana Berentzik weiß, wovon sie spricht, denn tatsächlich wurde im Wermsdorfer Haus bei einer Bewohnerin Corona festgestellt. „Uns wurde gesagt, wir sind das einzige Haus in Nordsachsen mit Corona, dabei hatten wir natürlich sehr gehofft, dass uns das erspart bleibt.“
Die 90-jährige Bewohnerin klagte über Halsschmerzen und entwickelte typische Erkältungs-symptome.
Die Frau ist mittlerweile wieder genesen, weitere Fälle hat es im „Hubertushof“ nicht gegeben, trotz- dem gelten seitdem strenge Regeln:
Keine Besucher, Zutritt selbst für Personal nur nach Einlass und dann ist in der Eingangsschleuse
dokumentieren, Fieber messen und desinfizieren angesagt. Jeden Tag. Wenn es sein muss, auch mehrmals.

Wermsdorf 02
Utensilien zum Test auf Corona gehören seit Wochen zur Ausstattung im Seniorenheim
und verschaffen schnelle Gewissheit.


Die Bewohnerin erkrankte in der ersten Märzhälfte, drei Tage bevor landesweit Besuchsverbot angeordnet wurde. Dann musste es schnell gehen: Die Patientin wurde in ihrem Zimmer isoliert und als das Ergebnis des Coronatests positiv war, die Maßnahmen ausgeweitet. „Ich hab hier sofort alles dicht gemacht“, sagt Jana Berentzik. Das hieß: Alle Bewohner mussten 14 Tage einzeln auf ihren Zimmern bleiben, Besucher kamen nicht mehr ins Haus, die Sicherheits- vorkehrungen wurden penibel eingehalten. „Das Problem war die Schutzkleidung, die kaum oder nur sehr schwer zu beschaffen war. Wir hatten zu dem Zeitpunkt lediglich eine Schutzbrille, die musste
also ständig desinfiziert werden“, beschreibt die Heimleiterin.
Alle Bewohner wurden getestet und auch alle Mitarbeiter, die KonKontakt mit der Erkrankten hatten. Schon einen Tag später hatten wir die Testergebnisse und Gott sei Dank hatte sich niemand angesteckt“, sagt Jana Berentzik und man merkt ihr die Erleichterung heute noch an. Seitdem hat es immer wieder Tests im Heim gegeben. Jedesmal, wenn jemand der Hals schmerzt oder Husten auftritt. „Das verschafft uns Sicherheit, denn zuvor hatten die Mitarbeiter natürlich
auch Angst, sich anzustecken.“
Sie sei sehr froh darüber, dass das Landratsamt Nordsachsen es ermöglicht, alle Mitarbeiter zu testen. Das sei durchaus keine Selbstverständlichkeit: In Trebsen, wo der Träger der Einrichtung, das Internationale Bildungs- und Sozialwerk,ebenfalls ein Seniorenheim betreibt, sei das nicht möglich gewesen. „Das ist offenbar von Landkreis zu Landkreis verschieden. Wir haben in Nordsachsen wirklich Glück“, meint Jana Berentzik.
Sie ist überzeugt: Hält man die Hygieneregeln genau ein, lässt sich eine weitere Ausbreitung verhindern.
Schnell hätten die Mitarbeiter eine Routine entwickelt, auch wenn sich dadurch der finanzielle
und zeitliche Aufwand deutlich erhöht. Abgesehen von Ausnahmefällen wird in Wermsdorf weiter die Allgemeinverfügung angewandt, wonach bis 5. Juni Besuche in Heimen verboten sind. „Ich mache mir damit gerade keine Freunde“, weiß Jana Berentzik, die oft aufgebrachte Angehörige am Telefon hat. „Für die Familien ist das schlimmer als für unsere Bewohner, denn hier geht der Alltag weiter. Wir haben zum Glück unseren schönen Garten, der viel genutzt wird.“ Oft würden sich Freunde und Verwandte vom Zaun aus zuwinken und ein paar Worte wechseln. Den lang ersehnten Besuch ersetzt das nicht, weiß die Heimleiterin. „Das bedauern wir, bitten aber gleichzeitig um Verständnis.“
Nach dem 5. Juni könnten sich Angehörige und Bewohner dann wieder treffen – zunächst nur im Garten, den Besucher durch ein extra Tor betreten.
Anmeldung und Desinfektion seien dabei Pflicht, so Berentzik.
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