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Mittwoch,
18. Dezember 2019

Ferienprojekt Anders reisen

Mittwoch, 18. Dezember 2019
Nachfolgend ein Artikel vom 07.12.2019 in der Mitteldeutschen Zeitung - Online Ausgabe

Ferienprojekt Anders reisen

Leiterin Frau Giesemann
Foto: Alexander Baumbach
Heike Giesemann neben der Fotowand mit den Reise-Erinnerungen. Dank „Wir helfen“ wird es 2020 Anlass zu neuen Fotos geben.

Wittenberg
Sommer, Sonne, Ferien: Für tausende Schüler in Sachsen-Anhalt steht dann der Urlaub mit den Eltern an. Raus aus dem Alltag, unbekannte Orte kennenlernen, neue Leute und anderes Essen: Was für viele gerade den Reiz dieser Auszeit ausmacht, bedeutet für Autisten: puren Stress. Das Spektrum der Erscheinungsformen dieser angeborenen Behinderung mag vielfältig und breit sein, eines aber mag der Autist nicht: Unerwartetes. Überraschungen. Eltern solcher Kinder können ein Lied davon singen.

Eine Woche Auszeit
Um jungen Menschen mit Autismus trotzdem „klassische Ferienerlebnisse“ zu ermöglichen, „die sie sonst nicht hätten“, bietet die Autismusambulanz Wittenberg einmal im Jahr in den großen Ferien einen einwöchigen Urlaub für die unter 18-Jährigen aus ihrer 100-köpfigen Klientel an. Möglich macht dies im kommenden Jahr auch eine Spende des Vereins „Wir helfen“, der dafür 2 000 Euro zur Verfügung stellt.

Weit weg führen diese kleinen Reisen nie, aber das sollen sie auch gar nicht, sagt Heike Giesemann, Leiterin der vom Verein „Internationales Bildungs- und Sozialwerk“ getragenen Ambulanz, die im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert: 15 Jungen und Mädchen werden im nächsten Sommer nach Olganitz fahren. Für viele von ihnen ist das Schullandheim bei Torgau ein vertrauter Ort und das ist, siehe oben, auch gut so. Von Anfang an bietet die Autismusambulanz, die sich im Alltag überwiegend um Minderjährige kümmert, diese Ferienfahrten an, im vergangenen Jahr waren sie etwa in Oranienburg.

Ein Klacks für normale Reisende, ein immenser organisatorischer Aufwand freilich, wenn die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Autisten sind. Alle und alles, so Giesemann, müsse haarklein vorbereitet werden. Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit sind das A und O, ein „sehr strukturierter Tagesablauf“ verstehe sich von selbst. Mehrbettzimmer sind tabu, Rückzugsräume müssen immer da sein, andererseits auch ein Zaun um das Gelände, so Giesemann, damit niemand abhanden kommt.
Von Irina Steinmann
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