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Autismusambulanz Wittenberg

Für wen sind wir da?

Das Leistungsspektrum der Autismusambulanz Wittenberg besteht aus konkreten Angeboten für Menschen mit ASS. Es beinhaltet aber auch Beratungs-, Weiterbildungs-, und Entlastungsangebote für Eltern, Angehörige, Interessierte und Fachleute (z.B. Lehrer, Erzieher, Mitarbeiter von Ämtern), die im privaten oder beruflichen Kontext mit Menschen mit ASS direkt oder indirekt in Berührung kommen.

Wir sind für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und deren Angehörige da:
  • wenn Informationen zum Autismus gewünscht werden
  • wenn konkrete Hilfen benötigt werden
  • wenn Kontakte zu anderen Betroffenen oder anderen Fachleuten gewünscht werden

Für soziale, pädagogische und medizinische Einrichtungen und Interessierte:
  • die Informationen über Autismus wünschen
  • die Unterstützung in der Arbeit mit autistischen Menschen suchen
  • die Teamberatung oder Weiterbildung wünschen

Was ist das Autismus-Spektrum?

Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) weisen unterschiedliche Besonderheiten in den Bereichen der Kommunikation, des Sozialverhaltens und in ihren Interessensgebieten auf.
Die Wahrnehmung, Kognition und Emotionalität kann sehr speziell sein und zu außergewöhnlichen Fähigkeiten aber auch zu Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung führen.
Diese Besonderheiten und Fähigkeiten variieren im unterschiedlichen Maße, so dass nach dem aktuellen Konsens der Wissenschaft folgende Diagnosen zum Autismus-Spektrum gezählt werden: Frühkindlicher Autismus, Atypischer Autismus, Asperger-Syndrom und Wahrnehmungsstörungen.
Dabei ist es wichtig zu beachten, dass kaum wirklich eindeutige Abgrenzungen möglich sind - sowohl innerhalb der Diagnosen als auch zu anderen Formen von Besonderheiten bzw. bis hin zur Normalität.
Jeder Mensch mit ASS zeigt mehrere der nachfolgenden kommunikativen Auffälligkeiten:
So wird Sprache selten als kommunikatives Mittel verstanden. Viele Aussagen werden wortwörtlich genommen und Menschen mit Asperger-Syndrom verwenden eine sehr genaue und elaborierte Sprache. Menschen mit Frühkindlichem Autismus hingegen benutzen die Sprache als Kommunikationsmittel kaum und verwenden zum Teil nur Echolalien.
Die Kommunikation von Menschen mit ASS zeichnet sich durch Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Direktheit aus. Sozialen Inhalten, oftmals durch allgemeine Floskeln ausgedrückt, wird weniger Bedeutung zugeschrieben. Körpersprachliche Ausdrucksformen, die diese sozialen Inhalte transportieren, werden somit kaum wahrgenommen oder als unbedeutend erachtet.
Dies wirkt sich auf den Kontakt und die Beziehungen zu anderen Menschen aus. Beziehungen zu Mitmenschen können deutlich funktioneller, pragmatischer und direkter ablaufen. Zum Teil halten Menschen mit ASS deutlich mehr Distanz und zeigen weniger Interesse an ihren Mitmenschen. Andererseits können sie mitunter sehr distanzlos gegenüber anderen Personen sein und überschreiten persönliche Grenzen. Neurotypische Mitmenschen (ein Begriff der von Menschen mit ASS benutzt wird, um Menschen ohne Autismus zu beschreiben) reagieren auf diese weniger emotionale Art und Weise häufig mit Unverständnis. Menschen mit ASS gelingt es schwer, sich intuitiv in ihren Gesprächspartner hineinzuversetzen und somit dessen Absichten und Beweggründe zu verstehen (Schwierigkeiten bei der Theory of Mind).
Sehr beachtlich sind die Interessenbereiche von Menschen mit ASS, denen oftmals sehr viel Zeit gewidmet wird und die das gesamte Handeln bestimmen können. Diesen Spezialinteressen wird intensiv nachgegangen, so dass in diesen Bereichen (zwangsweise) umfangreiches Wissen kumuliert wird. Jede Kleinigkeit wird als wichtig erachtet und aufgenommen. So gelingt es Menschen mit ASS bspw. ein ganzes Straßenbahnnetz auswendig zu kennen, die gesamten Dialoge einer Trickserie nachsprechen zu können oder sich gänzlich im Sammeln bestimmter Dinge zu verlieren.
Dieses Interesse an Details liegt auch in der Wahrnehmungsverarbeitung von Menschen mit ASS begründet, die sich in einigen Merkmalen von der Verarbeitung neurotypischer Menschen unterscheidet. Personen mit ASS können oft Einzelheiten detaillierter wahrnehmen, sind empfindlicher für taktile Reize und weisen eine hohe Sensibilität für akustische Signale auf. Somit werden überdurchschnittlich viele Dinge wahrgenommen, die aber nur mäßig selektiert und koordiniert werden können. Menschen mit ASS leiden daher häufig unter Reizüberflutung, die Ängste aber auch Aggressionen auslösen können.
Die kognitiven Leistungen reichen im gesamten Spektrum von eingeschränkten Fähigkeiten bis hin zu überdurchschnittlichen Leistungen. Allen Menschen mit ASS ist gemein, dass ihr Intelligenzprofil, mit gängigen Methoden getestet, sehr schwankend ausfällt. Guten Fähigkeiten in der logischen Intelligenz können bspw. Schwächen in der Handlungsplanung gegenüber stehen.
Dem autistischen Spektrum gehört nur ein kleiner Teil der Bevölkerung an. Aktuelle Studien gehen von einem Prozent aus.
Männer sind viermal häufiger von Autismus betroffen als Frauen.
Die erwähnten Diagnosen aus dem ASS sind erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Sie sind im ICD 10 (F 84.0 – F 84.5) und im DSM IV festgeschrieben, unterliegen aber einem gewissen Wandel, der durch ständig wachsende medizinische, therapeutische und pädagogische Erkenntnisse bestimmt wird.
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