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Dienstag,
7. Mai 2019

Trebsen probt Speed Dating um eine Ausbildung

Dienstag, 7. Mai 2019
Nachfolgend ein Artikel aus der "LVZ" vom 03.05.2019 für Sie zum Nachlesen


Trebsen probt Speed Dating um eine Ausbildung

Weil der Nachwuchs im Mittelstand von Trebsen kein Selbstläufer ist, sind Ausbildungs- und Praktikumsbetriebe der Stadt jetzt auf die Oberschüler zugegangen. Bei einem Speed Dating konnten die potenziellen Bewerber die Chancen in der Region checken.

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Speed Dating in Trebsen: Schüler der Oberschule lernen auf einer Berufsmesse potenzielle Ausbildungs- und Praktikumsbetriebe in der Muldestadt kennen. Quelle: Frank Schmidt
Trebsen


Die Stadt Trebsen hat in Kooperation mit der Oberschule erstmals eine Berufsausbildungs- und Orientierungsmesse initiiert. Anlass war gewissermaßen der Hilfeschrei ortsansässiger Betriebe, denen es am Nachwuchs fehlt. „Der Fachkräftemangel macht eben auch nicht vor den Toren unserer Stadt Halt. Und was besonders am Gewerbe- und Industriestammtisch zur Sprache kam, war die Grundlage für diese Veranstaltung“, erklärte Romy Sperling vom städtischen Hauptamt. Folglich seien die etwa 30 Unternehmen und Betriebe angeschrieben und eingeladen worden. Und zwei Drittel davon hatten ihre Teilnahme zugesagt.

Große und kleine Unternehmen haben Teilnahme zugesagt


Darunter große Betriebe wie Mondi in der Kernstadt, aber auch eher unbekannte und kleine Firmen wie die ECTC-Steuerungstechnik im Ortsteil Walzig. Über die Offerten der Betriebe informierten sich etwa 75 Mädchen und Jungen aller drei achten Klassen, denen dafür jeweils eine Unterrichtsstunde Zeit gegeben wurde. Um diese effektiv nutzen zu können, fanden die Kontakte über ein Speed Dating statt. Pro Stand sieben bis zehn Minuten, dann wurde gewechselt.

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Speed Dating in Trebsen: Kurz und knackig fallen Fragen und Antworten, weil nur knapp zehn Minuten an einem Stand zur Verfügung stehen. Quelle: Frank Schmidt

Vielleicht etwas zu wenig Zeit, um sich umfassend über einen Ausbildungsberuf zu informieren. „Das ist so auch nicht gewollt. Vielmehr geht es darum, den potenziellen Azubis die Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten hier vor Ort vor Augen zu führen“, rechtfertigte Sperling die Spielregeln. „Außerdem wissen wir, dass nicht alle dieser Betriebe ausbilden können oder dürfen, aber sie bieten Praktikumsplätze an, was ein weiterer Vorteil der Berufsorientierung ist“.

Denkanstöße für berufliche Zukunft


Nun waren die Vertreter der Betriebe gefordert, sich zu präsentieren. „Dass wir keinen Fachkräftenachwuchs haben, liegt an der fehlenden Information unsererseits“, sagt Hendrik Lehmann von der ECTC-Steuerungstechnik selbstkritisch. „Unser Geschäftsfeld ist für Jugendliche sicher attraktiv, aber wer weiß schon, dass es uns auch als Ausbildungsbetrieb gibt...?“ Für Bauer Kupfer in Neichen wäre es wichtig, in den zehn Minuten das Interesse für grüne Berufe zu wecken. „Die Jugendlichen sollen Denkanstöße bekommen, ob die Landwirtschaft und damit der Umgang mit Technik und Tieren sowie mit Umwelt und Natur für sie infrage kommt“, sagte Uwe Kupfer.

Ganz großes Thema ist die Alten- und Seniorenpflege, weshalb Syliva Haubold vom neuen Seniorenheim „Mühlteichblick“ auf die „vielfältigen und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten“ aufmerksam machte.

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Speed Dating in Trebsen: Schüler der Oberschule lernen auf einer Berufsmesse potenzielle Ausbildungs- und Praktikumsbetriebe in der Muldestadt kennen. Quelle: Frank Schmidt

Kleinunternehmer Bernd Bubnik warb für seinen handwerklichen Beruf in der Restaurierung und Denkmalpflege. Von seitens der Bildungsstätte, so die stellvertretende Schulleiterin Karin Mehlhorn, habe man die Schüler über die Praxisberaterin auf das zukunftsorientierte Speed Dating vorbereitet. „Weil es uns nicht gleichgültig sein kann, ob und was die Schüler nach Schulabschluss machen. Sie sollen schließlich das bei uns erlangte Grundwissen weiter anwenden können“, sagte Mehlhorn.

Jugendliche sollen in der Region gehalten werden


In die gleiche Kerbe, jedoch mit Blick auf Industrie und Gewerbe der Stadt Trebsen, schlug Bürgermeister Stefan Müller (CDU). „Natürlich stehen die Betriebe für ihre Nachwuchsgewinnung selbst in der Pflicht. Aber wir als Kommune sind daran interessiert, die Jugend in der Region zu halten. Und dafür ist diese Initiative ein wichtiger Baustein.“ Ob es nachhaltig etwas bringe, müsse man abwarten. „Aber dass diese Messe überhaupt stattfinden konnte, ist schon ein erster Erfolg“, freute sich Müller.
Von Frank Schmidt
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